Hilfe, ich wurde verflucht!

Ratgeber-Glauben

Vor einiger Zeit habe ich das Vertrauen meiner Freundin schwer missbraucht. Daraufhin hat sie mir nicht nur ihre Freundschaft aufgekündigt, sondern auch schlimme Verwünschungen gegen mich ausgestoßen. Vielleicht hat sie mich auch sogar verflucht. Seitdem geht es mir sehr schlecht. Ich habe fast meine ganze Lebensfreude und meinen Optimismus verloren. Wie ist es möglich, dass die Verwünschungen solch eine starke negative Wirkung auf mich haben?

Pater Franz-Josef Janicki SVD

Über Ihren Vertrauensmissbrauch war Ihre Freundin sicher furchtbar enttäuscht, aufgebracht und wütend. In ihrem Zorn und in ihrer Wut über Ihr enttäuschendes Verhalten hat sie ihre Verwünschungen und vielleicht auch Flüche gegen Sie ausgestoßen. Die zeigen natürlich ihre Wirkung in Ihrer Psyche.

 

Das liegt aber nicht daran, dass sie aus sich heraus oder durch die Kraft böser Mächte oder Gott, die Ihre Freundin als Erfüllungsgehilfen ihrer Verwünschungen angerufen hat, irgendeine Wirkung hätten. Das wäre ja Ausdruck rein magischen Denkens und Welterlebens. Das aber hat keinen Anhalt in einem Welt- und Gottesbild, das vom jüdisch-christlichen Gedankengut geprägt ist. Da ist Gott ein „Segensereignis“, das das Gelingen des Lebens in all seinen Formen will. Er lässt sich nicht zur Schädigung des Lebens missbrauchen. Dass Ihnen die Lebensfreude und der Optimismus verloren gegangen sind, liegt vermutlich daran, dass Sie selbst Ihre Tat verurteilen und damit auch ein Stück weit sich selbst.

 

Das ist auch nicht verkehrt. Aber dabei dürfen Sie nicht stehen bleiben. Wir Menschen können versagen, aber können immer auch umkehren. Gott legt uns nicht auf unser Versagen fest. Er glaubt an uns und unsere besseren Möglichkeiten. Wenn Sie sich das immer wieder ins Bewusstsein rufen und verinnerlichen, verlieren die Auswirkungen, die Sie den Verwünschungen oder auch Flüchen zuschreiben, ihre Kraft. Hoffentlich wird Ihnen dann, wenn nach einiger Zeit vielleicht die Enttäuschung Ihrer Freundin abgeklungen ist, der Schritt zur klärenden und versöhnenden Begegnung geschenkt.

 

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