Warum so selten Kelchkommunion?

Ratgeber-Glauben

Warum wird in der heiligen Messe nur ganz selten der Kelch mit dem konsekrierten Wein den Gläubigen gereicht?

Pater Hans Peters SVD

Die Kelchkommunion für die Gläubigen ist in der Tat in der lateinischen Kirche des Westens seit etwa 1000 Jahren ausser Gebrauch gekommen. Erst durch die Liturgiereform des Konzils ist sie wieder für besondere Anlässe zugelassen: um der tieferen Zeichenhaftigkeit willen und auch, um dem Stiftungswillen Christi konkreter zu entsprechen. In der weiteren Entwicklung wurde die Kelchkommunion immer erlaubt bei "Messefeiern in kleineren Gemeinschaften" und "Messfeiern an hervorgehobenen Festtagen, wenn die Zahl der Teilnehmer nicht zu gross ist".

Diese Möglichkeit wird bisher noch zu wenig ausgeschöpft. Allerdings sollte den Gläubigen die Weise des Kommunizierens überlassen bleiben, ob sie also überhaupt den angebotenen Kelch annehmen wollen oder nur die Hostie eintauchen wollen.

Im 1. Jahrtausend was es selbstverständlich, die Eucharistie in beiden Gestalten den Gläubigen zu reichen. Damit verband sich aber schon früh die Sorge, ja nichts vom konsekrierten Wein zu verschütten. Seit im Mittelalter der regelmässige Kommunionempfang immer stärker zurückging und das Sehen des eucharistischen Brotes, wie es vor allen Dingen durch das neue Fronleichnamsfest zum Ausdruck kam, immer wichtiger wurde, verzichtete man mehr und mehr auf das Reichen des Kelchs. Das theologisch vertiefte Wissen um die reale Gegenwart Christi im Sakrament führte auch zu einer grösseren Scheu vor dem Sakrament und der Angst, es verunehren zu können. Zudem stellte das theologische Denken klar heraus, dass Christus in jeder der beiden Gestalten voll und ganz anwesend war. Dies alles führte dann zu einem regelrechten Kelchverbot für die Laien, wie es im Konzil von Konstanz 1415 ausgesprochen wurde. Hier spielte allerdings eine vorreformatorische Irrlehre eine Rolle, die behauptete, dass das Reichen des Kelchs neben dem Brot heilsnotwendig wäre.

In der Reformation wurde die Kelchkommunion dann endgültig zum unterscheidenden Zeichen. Die Protestanten sahen in der Reduzierung auf die Brotkommunion eine unbiblische Verengung des Abendmahlgeschehens. Zudem konnten sie die scholastische Lehre von der Transsubstantiation nicht teilen, also der Wesensverwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi durch den Priester.

Für katholisches Denken blieb und bleibt prägend die Überzeugung, dass der ganze Christus in jeder der beiden Gestalten anwesend ist, solange diese eucharistischen Gestalten sichtbar vorhanden sind.

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