Macht Mission heute noch Sinn?

Ratgeber-Glauben

Werden nicht alle Menschen, wenn sie nach ihrem Glauben leben, die Seligkeit erleben? Heute werden doch alle Religionen gleichwertig angesehen – oder?

01.11.2011 | Pater Hans Peters SVD

Diese Frage begegnet einem sehr oft. Im Verständnis von Mission hat es in der Tat in den letzten 50 Jahren gewaltige Veränderungen gegeben, die für manche Christen den Eindruck entstehen ließen, als sei Mission nicht mehr nötig. Das wäre aber ein völliges Missverständnis. Die christliche Botschaft ist nach wie vor darauf angelegt, allen Menschen verkündigt zu werden. Nur hat sich die Begründung sehr stark verändert. Früher war die Überzeugung stark: Wer nicht getauft ist und den Glauben in der katholischen Kirche bekennt, ist aller Voraussicht nach vom ewigen Heil ausgeschlossen. Darum galt es, so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich zum katholischen Glauben zu führen und zu taufen.

Das II. Vatikanische Konzil hat damit aufgeräumt, indem es die bibelwissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 100 Jahre auswertete und zu einem ganz neuen Missionsverständnis fand. Zunächst wird auch Menschen, die nicht den katholischen Glauben kennen gelernt haben, ganz eindeutig eine Heilsmöglichkeit eingeräumt: „Wer nämlich das Evangelium Chris-ti und seine Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott aber aus ehrlichem Herzen sucht, seinen im Anruf des Gewissens erkannten Willen unter dem Einfluss der Gnade in der Tat zu erfüllen trachtet, kann das ewige Heil erlangen“ (Kirchenkonstitution 16). Zugleich wird aber betont, dass die Kirche ihrem Wesen nach „missionarisch“ ist, das heißt: auf Sendung und Aussendung angelegt. Das lateinische Wort „missio“ heißt ja übersetzt Sendung, Aussendung. 

Diese Sendung der Kirche leitet sich her aus der Sendung des dreifaltigen Gottes: Wie der Vater den Sohn zur Welt gesandt hat und der Sohn den Heiligen Geist sendet, so kann die Kirche gar nicht anders als diese Sendung fortsetzen, will sie diesem Gott, der von seinem Innersten her immer „auf Sendung“ ist, treu bleiben. Er will, dass alle Menschen ihn kennen lernen, wie er sich in Jesus gezeigt hat und im Heiligen Geist im Laufe der Geschichte immer wieder neu zeigt. Hier wird auch deutlich, dass es bei Mission nicht einfach um eine Seelenrettung geht in dem Sinne, dass alle in den Himmel kommen; vielmehr ist es Gottes Wille, dass Menschen schon hier und jetzt Jesus Christus im Heiligen Geist kennen lernen. So kann es für einen Christen auch keine Gleichsetzung aller Religionen geben, denn für einen Christen ist Jesus Christus „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Welch eine Aufwertung des irdischen Lebens, das eben nicht nur eine Vorstufe ist, um in den Himmel zu kommen (egal auf welchen Wegen), sondern der Ort, wo der Mensch Jesus Christus kennen lernen kann und soll und sein Leben nach ihm ausrichten soll!

Von daher gibt es keine Verkündigung der Frohen Botschaft ohne den Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenwürde. Es geht also nicht einfach um eine ewige Seligkeit, sondern es geht darum, hier und jetzt diesem Jesus von Nazaret zu begegnen, sich für ihn zu entscheiden und so Heil zu erfahren – hier und jetzt und einst im ewigen Leben.

 

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