Unvollständige Beichte: Gilt Absolution?

Ratgeber-Glauben

Bei der Beichte bekenne ich nach bestem Wissen und Gewissen meine Schuld. Im Nachhinein aber kommen mir Zweifel, weil ich vielleicht doch nicht so vollständig und wahrheitsgetreu gewesen bin, wie ich es hätte sein können oder sollen. Gilt dennoch die Absolution?

02.05.2012 | Pater Fabian Conrad SVD

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das Sakrament der Beichte mit sehr vielen Ängsten und negativen Gefühlen überfrachtet ist, die gar nicht sein müssten. Ganz sicher wurde in der Vergangenheit etliches gelehrt und mit der bekannt katholischen Schärfe eingebläut, was theologisch und auch menschlich untragbar ist und immer schon war. Wenn wir dann noch unseren Herrn Jesus Christus anschauen, der bedingungslos und ohne jegliche Nachfrage auch dem größten Sünder vergeben hat, dann können wir nur zu dem Schluss kommen, dass es in erster Linie um das Heil des Menschen geht, wenn von der Beichte, der Vergebung der Sünden, die Rede ist.   

Gott ist kein „Buchhalter“; er zählt nicht und er wiegt nicht, wie wir Menschen das gerne tun. Ein Sündenbekenntnis kann niemals „buchhalterisch“ vollkommen sein, weil wir alle so einfach nicht sind. Wir bekennen und bereuen, nach bestem Wissen und Gewissen. Vollständigkeit ist keine Kategorie, die Gott von uns verlangt. Er will eine ehrliche Haltung, aber nicht den Glauben eines Erbsenzählers, der letztlich doch nur sich selbst vertraut, aber nicht wirklich dem barmherzigen Gott. 

Normalerweise schließt ein Priester bei den Worten der Absolution alles mit ein, „das Gesagte und das Ungesagte“. Er ist ja auch nur der für die Gemeinde agierende Sprecher und Mittler; im Letzten ist Versöhnung die Sache Gottes! Gott geht es um den Menschen, der „guten Willens ist“. Und wenn sich in heutiger Zeit einer aufrafft, den Beichtstuhl aufsucht und sich ehrlich Gedanken um Reue und Umkehr macht, dann sind keine weiteren Fragen zu stellen. Dann ist Vergebung gültig und gnädig geschehen.

 

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