Was muss ich glauben?

Ratgeber-Glauben

Mariä Himmelfahrt: Bin ich verpflichtet, an die Aufnahme Mariens in den Himmel „mit Leib und Seele“ zu glauben?

08.07.2012 | Pater Hans Peters SVD

Ganz einfach: ja! Das Dogma von der „Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele“ (Pius XII., 1950) gehört zum verpflichtenden katholischen Glaubensgut. Jedoch stellt sich sofort die Frage, was denn eigentlich mit diesem Dogma gemeint ist. 

 

Als Erstes fällt auf, dass wir streng theologisch nicht von „Mariä Himmelfahrt“ sprechen, sondern von der „Aufnahme Mariens in den Himmel“: Es geschieht an ihr, sie ist nicht aktiv daran beteiligt. Gott führt Maria in die Fülle des Lebens, wie wir sie für uns alle erwarten: nicht ein „Seelenleben“, das keine Leiblichkeit kennt, und damit vermindertes Leben, sondern voll menschliches Leben mit Leiblichkeit, wenn auch unter ganz anderen Bedingungen, in ganz anderer Gestalt. Paulus versucht das in Worte zu bringen, wenn er sagt: „Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen“ (1 Kor 15,44). Entscheidend ist hier für unsere Frage, dass das ewige Leben bei Gott mit einem Leib in Verbindung gebracht wird.

Dass diese Worte bei Maria in Erfüllung gegangen sind, folgert die Kirche aus der Tatsache, dass ihr Leib in Jesus Gott getragen hat und so auf einmalige Weise mit Gott in Berührung gekommen ist. Deswegen kann er nicht der Verwesung anheimfallen. Wir sind hier in erster Linie auf der Ebene des liturgisch-mystischen Lobpreises, nicht des bibelwissenschaftlichen Beweises. Die Bibel sagt uns ausdrücklich nichts über die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. 

Das folgende Gesätz des Rosenkranzes kann da eine Verstehenshilfe sein: „Der dich, o Jungfrau im Himmel, gekrönt hat.“ Keiner denkt daran, dass Maria im Himmel eine wirkliche Krone trägt. Und dennoch: Gott „krönt“ in ihr sein Werk, seine Schöpfung. Der Mensch als „Krone der Schöpfung“ findet in ihr das entscheidende Symbol und Vorbild.

In diese Richtung müssen wir auch die Aufnahme Mariens feiern: keine irgendwie geartete Auffahrt aus einem Grab. Bei allem Respekt vor den schönen Bildern der Kunst, sie können „Glaubenstützen“ sein, die Wirklichkeit schildern sie nicht. Die Wirklichkeit des Glaubens entzieht sich unserer Vorstellung. Zugleich wird hier der menschliche Leib, zumal der Leib der Frau, gegen alle Abwertung geschützt, wie es in christlicher Vergangenheit oftmals durch eine bestimmte Art von Leib- und Frauenfeindlichkeit geschah und wie es heute durch Instrumentalisierung für Werbezwecke oder im Extremfall durch Pornografie geschieht.

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