Wegen Adam und Eva büßen?

Ratgeber-Glauben

Ist das nicht ungerecht mit der Erbsünde: Da haben zwei Personen am Anfang der Menschheitsgeschichte gesündigt, und wir alle müssen dafür büßen!

01.12.2011 | Pater Hans Peters SVD

Wenn es so wäre, dann hätte Gott sich das nicht besonders gut ausgedacht. Grundsätzlich: Der Begriff Erbsünde kommt in der Bibel so nicht vor. Erst im 4. Jahrhundert n. Chr. hat er sich in der Theologie herausgebildet. Er kann sehr leicht missverstanden werden. Denn hier geht es weder um Sünde im eigentlichen Sinn (Sünde hat immer etwas mit Verantwortung zu tun), und sie wird auch nicht „vererbt“, etwa durch den Zeugungsakt und die damit verbundene sexuelle Lust.

Die biblischen Texte der Urgeschichte erzählen keine Geschichte im Sinn der modernen Geschichtsschreibung, sondern es sind Symbolgeschichten, die menschliche Erfahrungen, vor allen Dingen die Erfahrung mit dem Bösen, deuten wollen. So ist es unsinnig, herausfinden zu wollen, wo der Garten Eden war oder die Sintflut stattgefunden hat. Die Anfälligkeit für das Böse und die Erlösungsbedürftigkeit der Menschheit „von Anfang an“ sollen hier ausgedrückt werden. 

Der Ausgangspunkt für diese Geschichten waren die akuten bedrängenden Lebensfragen der damaligen Schreiber, und sie sind bis heute Menschheitsfragen geblieben: Woher kommt der Mensch, was ist mit dem Bösen, wie kann der Mensch damit fertig werden? Wenn spätere Theologie anhand dieser Texte den Begriff der „Erbsünde“ entwickelt, dann soll damit zum Ausdruck gebracht werden, dass das Böse vorheriger Generationen seine Auswirkung auf die späteren hat. Erbsünde besagt: Alle sind „von Anfang an“ für das Böse anfällig, es gibt keine besseren und keine schlechteren Menschen; alle brauchen Christus. 

Wir büßen also nicht für einen „Anfang“, aber wir stehen von Anfang an in einem Zusammenhang, der von der Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse geprägt ist: einerseits gut geschaffen, andererseits anfällig für das Böse. In dieser Auseinandersetzung hat Gott uns nie verlassen, sondern „allen geholfen, ihn zu suchen und zu finden“ (IV. Hochgebet). 

In der Geschichte Jesu, besonders in seinem Leiden, Sterben und seiner Auferstehung, ist diese Suche zu ihrem Ziel gelangt. Die Taufe als „Befreiung von der „Erbsünde“ verbindet uns mit dieser Jesusgeschichte und eröffnet so eine neue Lebensmöglichkeit als Gabe und zugleich als Aufgabe: Wir sind dem Bösen nicht hilflos ausgeliefert, vielmehr können wir dem Guten in unserem Leben Raum geben.

 

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