Muss ich dem Papst gehorchen?

Ratgeber-Glauben

Als Katholik sind mir die Weisungen des Papstes wichtig. Aber wie bindend sind seine Worte für mich? Bin ich ihm „Gehorsam“ schuldig? Und ist er wirklich unfehlbar?

01.02.2012 | Pater Hans Peters SVD

Die Unfehlbarkeit des Papstes ist erst auf dem I. Vatikanischen Konzil 1870 verkündet worden. Im dogmatischen Text ist die Unfehlbarkeit des Papstes auf eine sehr genau umschriebene Situation eingeschränkt: Wenn er „ex cathedra“ spricht. Das heißt, unfehlbar sind nur solche Äußerungen, aus denen ganz eindeutig hervorgeht, dass sie letztverbindlich sein wollen. Also etwa die beiden marianischen Dogmen von der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“ (1854) oder der „Aufnahme Marias in den Himmel mit Leib und Seele“ (1950). Päpstliche Enzykliken oder sonstige Schreiben gehören nicht dazu. Aber auch für definitive Aussagen des päpstlichen Lehramtes gilt, dass sie in der Sprache der jeweiligen Zeit ausgedrückt sind und somit immer wieder neu ausgelegt werden wollen.

 

Für die anderen Situationen der kirchlichen Lehrverkündigung, so auch die „Weisungen des Papstes“, gilt, dass wir ihnen mit Bereitschaft und Offenheit entgegentreten müssen, dass Gott uns hier Wichtiges für unser Leben als Christen sagen will. Es geht um eine grundsätzliche Hörbereitschaft. Dabei ist es allerdings möglich, dass die konkreten Aussagen der kirchlichen Lehrverkündigung in Konflikt stehen mit der persönlichen Gewissensüberzeugung. Hier tritt dann jener Fall ein, den die deutschen Bischöfe nach der Enzyklika „Humanae Vitae“ (1968) in der Königsteiner Erklärung ansprachen: „Wer glaubt, so (das heißt abweichend von der Enzyklika) denken zu müssen, muss sich gewissenhaft prüfen, ob er – frei von subjektiver Überheblichkeit und voreiliger Besserwisserei – vor Gottes Gericht seinen Standpunkt verantworten kann.

 

Im Vertreten dieses Standpunktes wird er Rücksicht nehmen müssen auf die Gesetze des innerkirchlichen Dialoges und jedes Ärgernis zu vermeiden trachten. Nur wer so handelt, widerspricht nicht der rechtverstandenen Autorität und Gehorsamspflicht. Nur so dient auch er ihrem christlichen Verständnis und Vollzug.“

 

Die Frage der päpstlichen Unfehlbarkeit ist immer im Zusammenhang mit der Unfehlbarkeit der Kirche als ganzer zu sehen. Letztlich steht dahinter die Überzeugung, dass Gott seine Kirche in den wichtigen Fragen für ein Leben aus dem Glauben nicht in die Irre gehen lässt. Den eigentlichen Gehorsam des Glaubens schulden wir nur Gott allein, wie er sich vor allem in der Stimme des Gewissens kundtut.

 

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