Gebetsmeinung des Papstes im Februar

Februar 2023

Für die Pfarreien

Beten wir, dass die Pfarreien das Verbindende miteinander und mit Gott in den Mittelpunkt stellen und so immer mehr von Glauben, Geschwisterlichkeit und Offenheit gegenüber denen, die es am meisten brauchen, erfüllt werden.

Würden Sie sagen, dass trifft auf Ihre Pfarrei zu? Gott steht im Mittelpunkt, und die Atmosphäre ist von Glauben und Geschwisterlichkeit bestimmt? Also ich muss das leider verneinen. Darum besuche ich die Gottesdienste der Nachbarpfarrei und der Steyler Missionare.

Den Pfarreien in Deutschland geht es nicht gut. Sie sind zu groß, es gibt zu viel Verwaltung, nicht genügend Ehrenamtliche und immer weniger Gläubige, immer weniger Priester. Verschiedene Initiativen wurden in den letzten Jahren gestartet, um das System “Pfarrei” zu retten. Aber allem Anschein nach hat das alles nicht geholfen, sondern – hört man auf die Rückmeldung der Basis – eher verschlimmert. Niemand scheint so richtig glücklich zu sein, denn alle klagen: die Gläubigen, die Priester, die Bischöfe.

Es gibt viel Kritik wegen des Vertrauensverlustes und des schwindenden Ansehens der Kirche. Die Zusammenlegung von Gemeinden führt häufig zu Streit. Die Gläubigen sind wütend darüber, von der Kirche erst verraten und dann im Stich gelassen worden zu sein. Es wird geklagt, dass es nicht genügend Priester gibt. Und jetzt sollen alle trotz Kirchensteuer in ungeheizten, eiskalten Kirchen sitzen – eine einfach nur bescheuerte Idee.

Bei all den Klagen verliert man leicht den Blick für das Positive, denn es gibt auch Positives zu berichten. Viele neue Ideen haben sich in den letzten zwei Jahren etabliert, um die Menschen zu erreichen. Das ist nach wie vor ein zentrales Anliegen. Es wurden Studien in Auftrag gegeben, um zielgerichtet, sinnvoll und wirksam die Situation zu verbessern. Und – die Pfarreien stemmen auch unter erschwerten Bedingungen ihr Programm, was alles andere als leicht ist.

Die Pfarrei sollte eine Gemeinschaft von Gläubigen sein bzw. ist eine solche, sie ist Teil der Kirche. Hier können und sollen die Menschen in den Sakramenten Gott begegnen. Sie ist ein Ort für das christliche Leben.

In der aktuellen Gebetsmeinung nennt unser Papst einige der wichtigsten Merkmale einer lebendigen Pfarrei. Die Begegnung untereinander ist von Geschwisterlichkeit geprägt. Der Glaube an Gott verbindet die einzelnen Mitglieder. Offen wird auf das geschaut, was der Nächste braucht. Diese innere Haltung prägt den Alltag und das Miteinander der Gemeindemitglieder.

Auch wenn die Rahmenbedingungen sich verschlechtert haben – so schwer ist das nun wirklich nicht. Warum gelingt es uns nur so selten? Ganz normale menschliche Schwächen, falscher Ehrgeiz, Geltungsbedürfnis, ideologische Grabenkämpfe, mangelnde Akzeptanz und Neid können einen geschwisterlichen Umgang unmöglich machen. Welchen Sinn hat eine Pfarrei, wenn nicht Gott im Mittelpunkt steht? Wie kann es geschehen, dass eine Gemeinde nicht vom Glauben erfüllt ist?

Die wichtigste Frage lautet: Wie korrigieren wir das? Ein Weg ist das Gebet. Dem Gebet sind keine Grenzen gesetzt. Durch das Gebet kann Gott den Pfarreien, denen es an Glauben mangelt, erneuerten Glauben schenken. Durch das Gebet rückt Gott in den Mittelpunkt.

Die letzten Jahre waren nicht gut für die Pfarreien. Nach den Skandalen kam es zu einem, wie ich finde, gefährlichen Bruch innerhalb der Christen, erst durch einen Virus, dann durch den Synodalen Weg, mit der Konsequenz, das sich Gruppen gebildet haben, die sich unversöhnlich und in aller Härte gegenüberstehen, sich teilweise verbal bekämpfen.

So kann das nicht weitergehen. Die gegenseitigen Kränkungen und Abwertungen müssen aufhören. Wir müssen zurückfinden zu einem geschwisterlichen Umgang. Gott, die Begegnung mit Gott und sein bis heute spürbares Heilswirken im Leben der Menschen muss zurück ins Zentrum unserer Pfarreien. Dazu braucht es Gebet. Also beten wir.

Simone Nefiodow, Dipl. Theologin