Gebetsmeinung des Papstes im September

September 2023

Wir beten für die Menschen am Rande der Gesellschaft, dass sie Beachtung und mehr Hilfe erfahren.

"Unmenschliche Bedingungen” – in diesem Monat rücken die Lebensverhältnisse derer in den Fokus, die innerhalb einer Gesellschaft wenig Wertschätzung und Beachtung oder deren Betroffene keine Rechte haben. Wenn unser Papst das Wort "unmenschlich" bewusst gewählt hat, dann vertraut er uns Betern in diesem Monat Menschen an, die schlimmer als schlimm leben müssen, mit schwerwiegenden psychischen und physischen Leiden und schlimmster Ungerechtigkeit, und das oft in einem gesellschaftlichen Umfeld, dem diese unmenschlichen Verhältnisse entweder egal oder für die sie tolerierbar sind.

Ist es nicht interessant, wie unterschiedlich die Menschen auf unmenschliche Bedingungen reagieren? In einigen Teilen der Welt ist diese Art von Lebensumständen scheinbar tolerierbar, teilweise sogar gewollt. Das Bewusstsein, wie falsch das ist, scheint völlig zu fehlen. Bei uns gelten solche Lebensumstände als Skandal, die Medien berichten, Wissenschaftler werden über die Ursachen und Lösungsvorschläge befragt, und von der Politik wird energisches Eingreifen gefordert. Unmenschliche Bedingungen sind bei uns gesellschaftlich nicht akzeptiert.

Das war nicht immer so. Auch in unserem Land gab es Randgruppen und Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen leben mussten, und es hat lange gedauert, bis das überwunden wurde. Erst waren es einige Wenige, und dann immer mehr Menschen, die überzeugt waren, dass unmenschliche Bedingungen niemals zu akzeptieren sind. Strukturen und Gesetze wurden geändert, Rahmenbedingungen geschaffen, die die Randgruppen integrieren. Medien, Politiker, Wissenschaft und ganz “normale” Bürger haben erkannt, dass jeder einen Beitrag leisten kann, dieses Leid zu beenden.

Indem unser Papst uns Betern den Auftrag gegeben hat, in der Intention zu beten, dass diese Gruppe von Menschen nicht mehr übersehen wird, beten wir für eine wirklich große Gruppe von Bedürftigen und für die Überwindung einer Vielfalt von gesellschaftlichen Hürden. In Europa haben wir es in sehr vielen Bereichen geschafft, unmenschliche Bedingungen abzuschaffen. Aber es gibt noch immer viel zu tun. Die letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass es möglich ist, das alles zu überwinden. Dafür braucht es Menschen und Gebet. Also beten wir.

Simone Nefiodow, Dipl. Theologin