4. Adventssonntag (B)

Predigtimpuls

Ein Gott, der uns ermutigt

1. Lesung: 2 Sam 7,1-5.8b-12.14a.16
2. Lesung: Röm 16,25-27;
Evangelium: Lk 1,26-38

 Ein Gott, der uns ermutigt

Der Segensgruß
In vielen Bildern und sakralen Kunstwerken haben bedeutende Künstler quer
durch alle Jahrhunderte versucht, die Szene aus dem heutigen Evangelium darzustellen: Der Erzengel Gabriel verkündet Maria, dass sie die Mutter des Herrn werden solle. Oft haben die Künstler ihrem Werk auch einen Namen gegeben: Der Engelsgruß. Der Evangelist Lukas gibt dem Verkündigungsengel die Worte in den Mund: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit, dir.“ (Lk 1,28).

Auch Sie alle sind während des Gottesdienstes mit dem liturgischen Gruß: „Der Herr sei mit Euch“ begrüßt worden. Wahrscheinlich hat Lukas diesen Gruß der
Christen der Urgemeinden aufgegriffen und in sein Evangelium integriert. Die
Christen der ersten Gemeinden bekannten sich dabei zur bleibenden Gegenwart
Jesu Christi, des Herrn, in seiner Kirche und mit den Menschen, die sich der Kirche anschlossen. Das soeben gehörte Evangelium meint mit diesem Gruß des Engels an Maria die Gegenwart Gottes, die Gegenwart Jahwes in seinem Volk. Das Alte und das Neue Bundesvolk Gottes sind also in diesem Gruß eng aneinandergerückt. Gott erweist sich nicht als ein Gott der Ferne, der über den Wolken thront, sondern er
lässt sich Emmanuel nennen, d.h. Gott mit uns. Damit wird einer der schönsten
Namen Gottes benannt, der auf den Messias hinweist. So wird bereits in der
Verkündigungsszene und mit dem Gruß des Engels das kommende Heil angesagt.

„Fürchte dich nicht!“
Doch noch ein weiteres Wort sei uns heute, wenige Tage vor Weihnachten, mit auf den Weg gegeben: Der Engel sagte zu Maria: „Fürchte dich nicht“ (Lk 1,30).
Gottesbegegnungen oder Begegnungen mit einem Abgesandten Gottes werden im
Alten Testament oft furchterregend und erschreckend wahrgenommen. Daneben
gibt es aber auch tröstliche Bilder von der Gegenwart Gottes, wie z.B. wenn Gott sich im Säuseln des leisen Windes zeigt. Das Wort „fürchte dich nicht“ möge für uns zur Programmansage werden für einen Gott, den Gott Jesu Christi und unseren Gott, den wir Vater nennen dürfen. Die Ansage „fürchte dich nicht“ begegnet uns hier in der Verkündigungsszene. Ein weiteres Mal werden wir es in der Weihnachtsgeschichte hören. „Fürchtet euch nicht, denn ich verkündige euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll“ (Lk 2,10). Bei den ukanischen Auferstehungsgeschichten hören wir zuerst immer vom Erschrecken und von der Bestürzung der Frauen am Grab, der versammelten Jünger in Jerusalem. Doch dann ermutigt sie der Deuteengel und der Auferstandene selbst, keine Angst zu haben und dem Leben zu trauen. In Jesus Christus ist uns Gott nahe gekommen. Es ist dies nicht ein Gott, der Angst und Schrecken einflößt, sondern ein Gott, der uns immer ermutigt, unsere Angst zu begraben.

Unsere Ängste
Wir alle kennen doch unsere großen und kleinen Ängste, die uns bisweilen überfallen. Da ist die Angst vor dem Misslingen, im beruflichen und im privaten Leben zu versagen. Da steht oft die Zukunft und das weitere Leben wie eine schwarze Wand vor uns. Wir sehen keinen Hoffnungsschimmer mehr, sondern nur Undurchdringliches und Düsteres. Wir alle kennen die großen Ängste unseres Lebens: Die Bedrohung von Glück und Geborgenheit durch äußere Einflüsse; die Angst vor Sterben und Tod und die Angst vor dem, was danach kommen soll. Da sind oft die unausgesprochenen Ängste, eine dauerhafte Beziehung oder Ehe einzugehen, weil man ja nie wissen kann, ob alles glückt und man dabei selber glücklich wird. Oder da ist auch die Angst vor den Weihnachtsfeiertagen. Werden meine Erwartungen erfüllt? Wie wird sich das Zusammenleben gestalten an diesen Tagen, an denen man enger zueinandergerückt ist als sonst? Wird man sich auf die Nerven gehen und werden die Tage in Streit enden?

Dem Leben trauen
Gerade in diese menschlichen Situationen hinein ist uns das Wort „Fürchte dich nicht“ mit auf den Weg gegeben. Es lädt uns ein, Vertrauen ins Lebens zu haben und auch einander mehr Vertrauen zu schenken. Es lädt uns aber auch ein, uns der biblischen Botschaft vom Kommen des Reiches Gottes zu öffnen. Gott will den Weg des Menschen mitgehen, und er will uns allen sein Heil schenken. Deshalb dürfen wir auch dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.

Der Engel nennt Maria begnadet. Sie ist es in vollendeter Weise. Doch auch wir sind Begnadete, weil uns Gott sein menschenfreundliches Angesicht zuwendet.
Und da treffen wir bereits auf einen Teil der Weihnachtsbotschaft, die wir in den
kommenden Tagen noch intensiver erfahren dürfen.

 

P. Herbert Zimmermann SVD