1. Fastensonntag (B)

Predigtimpuls

Kehrt um und glaubt an das Evangelium

1. Lesung: Gen 9,8-15
2. Lesung: 1Petr 3,18-22
Evangelium: Mk 1,12-15

Für wohl die meisten Katholiken beginnt heute die Fastenzeit, die eigentlich besser „österliche Bußzeit“ genannt würde. Dieser Name steht zusätzlich im Messbuch. Er scheint mir besser zu sein, weil er das Ziel, „Ostern“, nennt, die Feier, auf die wir zugehen. Ich befürchte nur, dass er sich nicht durchsetzt. Das Tagesgebet der heutigen Messe formuliert es ausdrücklich: „Allmächtiger Gott, du schenkst uns die heiligen vierzig Tage als eine Zeit der Umkehr und Buße.“ Da man sonntags nicht fastete, aber 40 Tage haben wollte, wurden im 7. Jahrhundert vier Tage hinzugenommen. So beginnt die österliche Bußzeit mit dem Aschermittwoch. 

Jesu erste Predigt
Das Evangelium des heutigen Sonntags spricht von Jesu vierzigtägigem Fasten
und davon, wie wir diese Zeit leben sollen: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes
ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium“, ruft uns Jesus zu. Wir könnten es vielleicht so „übersetzen“: Lebt im Heute Gottes. Vertröstet euch und andere nicht auf ein fernes Morgen, auf den St. Nimmerleinstag. Der Ruf vor dem
Evangelium greift das Matthäus-Evangelium auf: „Nicht nur vom Brot lebt der
Mensch, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.“ Kein Wort aus Gottes Mund darf zur Erde fallen, gerade in diesen 40 Tagen soll es unsere geistige Nahrung sein, nach der wir uns ausrichten. Es soll unser Verhalten bestimmen, in Bezug auf Gott, auf den Nächsten und uns selbst gegenüber.


Grunddatum unseres Christseins
Die zweite Lesung aus dem ersten Petrusbrief erinnert uns an das Grunddatum
unseres Christseins, an unsere Taufe. In ihr wurden wir in die besondere
Gemeinschaft mit Christus aufgenommen, bekamen wir Anteil am Schicksal unseres Herrn. Ja, in diesem wahrhaft österlichen Sakrament haben wir das eigentliche Leben empfangen. Wenn auch die meisten von uns nicht in der Osternacht getauft wurden, so bleibt doch der Bezug unserer Taufe in der Feier der Osternacht, in der wir ja unser Taufversprechen erneuern. Im Alltag, vor allem in den Tagen der Bußzeit, muss sich zeigen, dass in diesem Sakrament ein Herrscherwechsel stattgefunden hat: Christus ist die bestimmende Kraft. Wir gehören nicht mehr uns, wir leben nicht unser Leben, sondern Christus lebt in uns. Das vergessen wir gar zu oft. Noch einen weiteren Gedanken bringt unsere Lesung zum Ausdruck: Es gibt keinen, der mächtiger ist als Christus. An ihm können wir uns festmachen, dann kann uns nichts und niemand schaden, niemand kann uns unsere Hoffnung rauben, die uns durch die Auferstehung Jesu geschenkt wurde.

Die Taufe gliedert uns ein in die Gemeinschaft der Christen, durch sie haben wir
teil am gemeinsamen Priestertum aller Getauften. Die 40 Tage begehen wir mit der Kirche. Wir können und dürfen als Gläubige einander behilflich sein, dass wir diese Zeit im rechten Geiste leben.


Gottes Bogen am Himmel
Die erste Lesung aus dem Buch Genesis schließt die Sintflutgeschichte ab. Die
Menschen auf der Erde waren in Bosheit und Schlechtigkeit versunken, so dass
Gott mit dem Wasser die Welt vernichtete. Nur Noach und seine Familie überlebten mit den Tieren in der Arche. Gott schließt mit Noach einen Bund, dass er die Erde nie mehr vernichten will, obwohl auch weiterhin Gewalt und Bosheit herrschen werden – wir erleben es in der Welt und bei uns selbst. Als Zeichen für diese Selbstverpflichtung Gottes soll der Regenbogen gelten, zu dem wir getrost und voll Freude aufschauen dürfen.

Die österliche Bußzeit erinnert uns an das endgültige „Bundeszeichen“ Gottes, an
Jesus Christus, der mit uns durch diese Gnadenzeit gehen will, damit wir in der
Erkenntnis Jesu „voranschreiten und die Kraft seiner Erlösungstat durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen“ (Tagesgebet).

 

P. Dr. Winfried Glade SVD