28. Sonntag im Jahreskreis (C)

Predigtimpuls

„Wie du mir, so ich Dir.“

1. Lesung: 2Kön 5,14-17
Zwischengesang: www.antwortpsalm.de
2. Lesung: 2Tim 2,8-13
Evangelium: Lk 17,11-19

„Wie du mir, so ich Dir.“
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche,
es gibt dieses Sprichwort, vielleicht denkt der eine oder andere dieses Sprichwort: „Wie du mir, so ich dir!“ negativ, ungefähr so: „Ich will mich rächen, weil der mir etwas angetan hat“, „Ich habe nur zurückgeschlagen, weil er mich geschlagen hat!“, „Wie du mir, so ich dir!“ Man kann es aber auch im positiven Sinn anwenden. „Du hast für mich das gemacht, dann mache ich etwas anderes für dich.“ Lateinisch nennt man das „Do, ut des“. Ich mache das, damit du das andere machst.“

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche,
unsere Gesellschaft beruht in gewisser Weise auf diesem Prinzip, denn man denke nur ans Einkaufen. Wenn ich etwas kaufen möchte, dann muss ich bezahlen.

Viele Menschen meinen, dass dieses Prinzip auch auf das Privatleben zu übertragen ist. Doch ist es nicht schöner, wenn jemand mir etwas Gutes tut, ich mich bedanken möchte und der andere sagt: Ist doch selbstverständlich!?
Wir Erwachsene sagen doch hoffentlich häufig: „Ist doch selbstverständlich!“, wenn die Nachbarin oder Freundin kurz auf die Kinder aufpasst … wenn der Kollege einfach so eine Arbeit von mir übernommen hat ... wenn der Freund oder die Freundin einem etwas leiht ...

Aber es ist nicht selbstverständlich, dass einem geholfen wird. Es ist nicht „ganz normal“, wenn einem etwas Gutes ohne Gegenleistung getan wird. In unserer Gesellschaft – zumindest scheint es manchmal so – handeln wir nach dem Motto: „Wie du mir, so ich dir.“ Denn bevor jemand eine Aufgabe übernimmt, überlegen Menschen oft, was für einen selber dabei herausspringt. Umgekehrt werden Menschen, die ehrenamtlich tätig sind, einfach so, weil es ihnen Freude macht oder sie es für wichtig halten, belächelt. Ich denke wir müssten einfach nur mal unsere Ministranten, Jugendleiter, Menschen in der Flüchtlingshilfe oder beim Frauenbund fragen ...

Jesus macht eine ähnliche Erfahrung. Nur ein einziger von zehn Menschen, die er geheilt hat, kehrt um und lobt Gott mit lauter Stimme. Zu Recht fragt Jesus, wo denn die anderen geblieben sind. An Jesu Stelle wären wir vielleicht traurig, enttäuscht, vielleicht erbost darüber, dass unser Handeln, unsere Hilfe, so gar keine Wirkung zeigt. Wenigstens ein Dankeschön wäre doch möglich … Aber nur der Fremde, der, von dem man es am wenigsten erwartet, kommt. Dabei ist die Heilung von Aussatz doch etwas Großartiges, sie ermöglicht neues Leben!
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche, die Gründe, warum die neun anderen Geheilten nicht kommen, wissen wir nicht. Es ist vorstellbar, dass sie zu beschäftigt waren, zu sehr Nachholbedarf hatten, zu viele Erwartungen und Ansprüche, die sie sich JETZT erfüllen wollen.

Doch dabei übersehen sie den, der ihnen das überhaupt möglich macht. JESUS.
Manchmal geht es uns doch wahrscheinlich auch so. Solange es uns gut geht, „vergessen“ wir Gott. Erst, wenn etwas nicht gelingt, wenn wir uns schlecht fühlen, „erinnern“ wir uns an ihn. Dabei verlangt Gott von uns gar keine adäquate Gegenleistung – denn womit könnte sich schon der Aussätzige aus dem Evangelium revanchieren? Es gibt nichts, was die Heilung aufwiegen kann. Darum geht es Gott auch gar nicht, denn er will uns, liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche, BESCHENKEN, damit es uns gut geht.

Stille.

Das haben wir in der Lesung aus dem Buch der Könige gehört. Er will nichts annehmen wie bei einem Einkauf oder Tauschgeschäft. Das einzige, was er sich wünscht, ist unseren Glauben an ihn. An „keinen anderen Gott, als Jahwe allein“ verspricht Naaman zu glauben; es ist auch der Glaube an den einen Gott, der uns alle liebt, der dem aussätzigen Mann geholfen hat.

Zu glauben, wenn einem ein Wunder widerfahren ist, ist wahrscheinlich nicht schwer. Im Alltag, im normalen Leben, sich an diesen Glauben zu erinnern und aus ihm zu handeln, ist viel schwieriger.

Auszubrechen aus der Denkweise „was haben ich davon?“, „was bekomme ich dafür?“; auszubrechen aus dem Muster „Ich mache etwas, damit ich...“ das ist, liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder und Jugendliche, anstrengend und unbequem.

Aber es bedeutet, daran zu glauben, dass Gott uns unterstützt, wenn wir ihm nachfolgen und uns zu ihm bekennen.

Dies wollen wir nun auch gemeinsam tun, durch die Erneuerung unseres Taufglaubens.

Besprengung mit Weihasser dazu GL 491, 1 f.

 

Michael Schmitt, Pfarrvikar
 
 
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