5. Sonntag der Osterzeit (C)

Predigtimpuls

Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander!

1. Lesung: Apg 14,21 b-27
Zwischengesang: www.antwortpsalm.de
2. Lesung: Offb 21,1-5a
Evangelium: Joh 13,31-33a.34-35
Zum Kantillieren des Evangeliums: www.stuerber.de

Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander!
Schwestern und Brüder im Herrn!
Keine langen Erklärungen braucht Jesus. Kurz und bündig bringt er es auf den Punkt – das, worauf es ankommt – das, wohin alles hingerichtet sein soll: Liebt einander!

Ja, kurz und bündig ist das heutige Evangelium. Und Jesus fordert seine Jünger darin auf, einander zu lieben.

Diesen Worten Jesu im 13. Kapitel des Johannesevangeliums geht die Fußwaschung voraus, in der Jesus bildlich sichtbar macht, was es bedeuten kann, einem anderen meine Liebe zu zeigen: sich klein machen, niederbeugen und einen Dienst erweisen. Und wie Jesus selber diesen Dienst an uns Menschen bis zur letzten Konsequenz gezeigt hat, folgt ja dann in der Erzählung seines Leidens und Sterbens: Liebe bis zur Vollendung.

„Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“

Ich mache einen kleinen Exkurs:
Bestimmte Dinge erkennt man an bestimmten Eigenschaften oder Äußerlichkeiten. Bestimmte Mineralwasser-Flaschen zum Beispiel würde man auch ohne Beschriftung erkennen, die einen an ihrer ganz typischen Form, die anderen wieder an der Farbe der Flaschen. Und ob uns eine Tankstelle gelb oder grünblau entgegenleuchtet, lässt uns schon von Weitem erkennen, welche Firma hier den Treibstoff anbietet.
Warum ich das sage? Firmen und Produkte brauchen ihre Kennzeichen und Merkmale, an denen man sie sofort erkennt. Das ist wichtig. Damit kann man für sich und die Produkte werben. Dadurch wird man sofort erkannt und bleibt unverwechselbar gegenüber anderen.

Was nun für die Mitarbeiter einer Firma und für ihre Produkte gilt und wichtig ist, das ist auch für die Gemeinschaft der Glaubenden einer bestimmten Glaubensgemeinschaft von Bedeutung. Wir brauchen Merkmale. Wir brauchen Kennzeichen, die uns auszeichnen – eine Eigenschaft, die uns sofort erkennbar macht, die uns unverwechselbar macht mit anderen.

Was ist das ganz typische Kennzeichen der Christen? Die Antwort wird uns nicht schwer fallen, das heutige Evangelium legt uns die Antwort nahe: die Liebe! „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.“

Ein Christ weiß sich von Gott geliebt. Und aus diesem Wissen um sein Geliebt-Sein kann er auch seinen Mitmenschen lieben. Das zeichnet uns aus. Das ist Merkmal unserer Zugehörigkeit. Oder sollte es zumindest sein.

Was wir aus Liebe tun, sollte uns mehr auszeichnen als das, was wir aus Überzeugung sagen. Ist es in unserem Glaubensalltag aber nicht genau umgekehrt? Ist da nicht die Theorie wichtiger als die Praxis, das Gesagte wichtiger als das, was wir tun?
Immer wenn wir in der Kirche nach unserem Glauben gefragt werden, werden wir nach dem Glaubensbekenntnis gefragt. Nach Worten und Wahrheiten. Eltern bekennen für ihr neugetauftes Kind den Glauben, in jeder Gottesdienstfeier sprechen wir das Glaubensbekenntnis und bevor jemand in die Kirche wieder eintreten möchte, muss er auch in diesem Credo seinen Glauben bekennen. Alles durch Worte also.

Wir fragen nicht nach der Liebe. Wir fragen nicht, ob Menschen die Liebe ganz konkret im Alltag leben. Das machen wir nicht als Voraussetzung, um zu unserer Gemeinschaft zu gehören. Nicht die Taten zählen. Die Worte des Glaubensbekenntnisses zu sprechen, das genügt, um wieder dazuzugehören.

Und umgekehrt genauso: Wenn wir im Laufe der Kirchengeschichte schauen, in den vielen Jahrhunderten. Wann wurden Menschen von dieser Kirche ausgeschlossen? Wann wurde Lehrern ihre Lehrbefugnis entzogen? Immer dann, wenn sie Worte gesagt haben, die nicht mit der Lehre, mit den Worten der Kirche übereingestimmt haben. Wurde je schon ein Christ ausgeschlossen, weil er nicht geliebt hat, weil er anderen die Liebe vorenthalten hat?
Denn das soll ja unser erstes und wichtigstes Wesensmerkmal sein: Taten der Liebe sind wichtiger als fromme Worte.

Die Christen des Anfangs der Kirche hat man an ihrer Lebensweise erkannt. So wie sie miteinander umgingen. So wie sie sich von Gott und Jesus geliebt wussten. So wie sie von diesem Geliebt-Sein die Kraft empfingen, auch einander zu lieben und alles miteinander zu teilen. Daran hat man die Jüngerinnen und Jünger der ersten Christengemeinden erkannt: Durch ihre Lebensweise sind sie aufgefallen und waren sie anziehend für andere. Wie sie in Liebe miteinander umgingen, das hat sie einladend gemacht auch für andere. Nicht primär die Worte, sondern die gelebte Liebe hat dazu geführt, dass sich immer mehr Menschen ihrer Gemeinschaft angeschlossen haben.

Liebe zeichnet uns Christen aus. Möge Gott uns helfen, dass wir das Wort „Liebe“ nicht allzu oft sagen, aber immer öfter tun. Amen!

 

P. Josef Denkmayr SVD
 
 
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