12.04.2020 | zu Johannes Joh 20,11-18

Auferstehung ist Realität

Wir feiern Auferstehung, damit es sie gibt. Denn nur, wenn wir uns ihr gegenüber öffnen, wird sie zur erfahrbaren Realität in unserem Leben.

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ 
„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Weise finden, die heiligen Tage dieses Osterfestes zu begehen. Auch wenn die Feier in der Kirche ausfällt, so fällt doch Ostern nicht aus. Mit dieser Botschaft möchte ich mich mit Ihnen verbinden und so verbinden wir uns alle untereinander.

An Ostern feiern wir, dass Licht ins Dunkel kommt. Auf das glanzlose Ende eines Verurteilten fällt ein ganz neues Licht. Ja, wir dürfen feiern: Verwandlung, Neugeburt, Neuaufbruch, wo wir glaubten, es ginge nicht mehr weiter.

Zunächst eine Frage an Sie: „Was haben Sie in Ihrem Leben begraben und beerdigt: welche Hoffnungen, welche Sehnsucht, welche Freude, welche Unbefangenheit und Lebendigkeit?

Wenn Sie den Mut haben, mit Maria Magdalena der Trauer über das Verlorene Raum zu geben und die Tränen zu weinen, die geweint werden wollen, dann wird der Blick frei für etwas Neues. Dieses Neue kommt nicht aus unseren Gedanken und nicht aus unserem Wollen, wir können es nicht sehen und es scheint uns erst noch fremd. Wenn wir es aber zulassen, wird Jesus uns ansprechen mit unserem Namen. Und im Hören auf seine Stimme wird unsere wahre Identität hervorgerufen. Dann werden wir ihn erkennen, weil wir im Tiefsten mit ihm verbunden sind. Nur haben wir das vorher nicht erkannt, weil wir in unserer von uns selbst aufgebauten Scheinexistenz gelebt haben. Ostern ist das Zerbrechen der äußeren Identität, die der Welt des Getrenntseins angehört. Ostern ist das Durchstoßen zur inneren, zur göttlichen Identität, die der Welt des Verbundenseins angehört.

Ich habe letztens einen Spruch gefunden, der mich sehr anspricht: „Veränderung kann schmerzhaft sein, aber nichts schmerzt auf Dauer mehr, als dort zu bleiben, wo man nicht hingehört.“ Ja, wo gehören wir denn hin? Das wird uns an Ostern deutlich vor Augen geführt, denn der Weg, den Jesus geht, ist der Weg des Menschen, ist auch unser Weg. Wir gehören der Liebe und nicht dem Hass, wir gehören der Vergebung und nicht dem Groll, wir gehören der Barmherzigkeit und nicht der Rechthaberei, wir gehören der Wahrheit und nicht der Verleugnung. Wir gehören Gott. Und wenn wir noch nicht bei ihm angekommen sind, dann braucht es weitere Verwandlungswege. Jesus geht sie mit uns mit. Sie beginnen immer am Gründonnerstagabend, an dem wir uns entscheiden können, entweder unserer Angst den Vortritt zu lassen oder dem Mut zum Wagnis. Wir können uns entscheiden, mehr auf Gott zu vertrauen, als bis dahin, was wir übersehen und verstehen können. Wenn wir uns für den Weg mit Jesus entscheiden, dann geht er mit uns mit durch den Karfreitag und Karsamstag bis hin zum leuchtenden Ostermorgen.

Noch einmal der Spruch: „Veränderung kann schmerzhaft sein, aber nichts schmerzt auf Dauer mehr, als dort zu bleiben, wo man nicht hingehört.“ Das Osterfest zeigt uns deutlich, dass die Wege, die wir mit Jesus gehen, und mögen sie auch schmerzhaft sein, am Ende zum Licht und ins größere, wahre Leben führen. Das ist die ewiggültige Verheißung, die der Herr uns durch seinen Weg und seine Erfahrung der Auferstehung zum Geschenk macht. Wir können nicht mehr scheitern, solange wir uns an ihn halten.

Der Weg Jesu führt uns am Ende zum Licht und ins größere, wahre Leben. 
Der Weg Jesu führt uns am Ende zum Licht und ins größere, wahre Leben.

Diese Verheißung hat die Macht, die Welt zu verwandeln. Denn wenn wir verstehen, dass wir Nichts verlieren können, wenn wir mit Christus sind, dann können wir viel gelöster leben, dann leben wir schon jetzt Erlösung. Paulus drückt es im Römerbrief so aus: „Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten.“ (Röm 8,28 - HFA) „Alles, was geschieht“, damit ist auch wirklich alles gemeint: das Gute wie das Böse, die Freundschaft wie die Anfeindung der Menschen usw. Jesus hat viele dankbare und unterstützende Menschen erlebt, er ist aber auch vielen verschlossenen und feindlich gesinnten begegnet. Letztere haben ihm sogar das Leben geraubt, doch das war nur die äußere Identität. Letztlich waren die Menschen, die seine Verurteilung und Hinrichtung betrieben haben, unfreiwillige Geburtshelfer seiner wahren und größeren Existenz. „Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten.“

Wenn wir in dieser Haltung auf das Leben zugehen, und alles aus der Hand Gottes annehmen, was auf uns zukommt, dann kann es sich für uns zum Guten verwandeln. Das will allerdings nicht einer Mentalität das Wort reden, die einfach alles passiv erduldet, denn Jesus ist auch Kämpfer, er konfrontiert die Jünger mit der Wahrheit, die Pharisäer und Schriftgelehrten, am Ende auch die Regierenden. Gerade das hat sie ja dazu gebracht, ihn lieber aus dem Weg zu räumen. Offensichtlich haben sie sich dafür entschieden, sich nicht verändern zu wollen, auch wenn das bedeutet, dass sie dort bleiben, wo sie nicht hingehören: im Hass und im Neid, in Verurteilung und in Machtgebahren. Dort haben sie keinen Anteil am wirklichen Leben der Auferstehung.

An Ostern werden gerne die Menschen befragt, ob sie wissen, um was es bei dem Fest geht und ob sie an die Auferstehung glauben. Aber das ist für mich gar nicht die entscheidende Frage. Wir Menschen sind nicht in der Position, darüber zu befinden, ob Auferstehung real ist oder nicht. Das ist Gedankenspielerei. Wir sind aber in der Position, die Auferstehung zu einer Wirklichkeit in unserer Welt werden zu lassen, wenn wir sie für unser eigenes Leben in Anspruch nehmen. Auferstehung ist real, denn in Jesus, der für uns die Wahrheit ist, hat sie sich uns offenbart. Doch es liegt an uns, ob sie als erfahrbare Wirklichkeit in unsere Welt hineinwirkt. Wenn wir in der Nachfolge Jesu aus der Verheißung seiner Auferstehung Mut schöpfen und Veränderung wagen, auch wenn es mal schmerzen kann, dann wird die Welt sehen, dass es die Auferstehung gibt.

Ich wünsche dir das österliche Leuchten unseres Herrn,
dass aus allem Begrabenen neues Leben aufblüht,
dass die Verheißung dich lockt, mit Jesus zu gehen,
den manchmal schwierigen Weg des Auferstehens,
für die Wahrheit, gegen Unrecht und Unterdrückung.
Ich wünsche dir, dass du erlebst,
wie Mauern zerfließen und Sackgassen sich öffnen
zu ganz neuen Möglichkeiten, die Gott dir schenkt.
Halleluja, der Herr ist auferstanden!

Ich wünschen Ihnen gesegnete Ostertage und alle Kraft der Auferstehung - Halleluja!

Pater Thomas Heck SVD