Anfangen

Glaubensserie

Der alte Weisheitsspruch: „Fange nie an, aufzuhören, und höre nie auf, anzufangen!“ - wird seine Gültigkeit nie verlieren.

Denn wer wird nicht vor Situationen gestellt, wo er aufgeben möchte? Und wer kann darauf verzichten, dass man ihm Mut zuspricht? Leben heißt: Immer neu beginnen und das Begonnene oft gegen Widerstände weiterführen, auch wenn nicht erkennbar ist, was dabei herauskommt.
Das Anfangen ist nicht immer ein Anfangen bei Punkt Null. Die Menschheit würde ständig auf der Stelle treten, wollte sie Erfahrungen aus der Vergangenheit immer von neuem überprüfen. So gäbe es keinen Fortschritt. Sie baut auf dem auf, was Generationen vorher geschaffen haben. Auch die Wissenschaft nutzt die Einsichten und Erfindungen früherer Denker und Forscher.
Wieviel die Menschheit auch an Erkenntnissen und kulturellen Gütern gehortet hat, der einzelne muss all das neu für sich erwerben. Kinder können nicht das Wissen und die Bildung ihrer Eltern erben. Niemand beherrscht ein Musikinstrument, nur weil seine Vorfahren es spielten, und kein Sportler kann bei den sportlichen Höchstleistungen früherer Sportler weitermachen. Er muss selbst fleißig trainieren.
Da wir Menschen nicht schon von Natur aus gut und weise sind und nie so viel Menschlichkeit und Bildung erreichen, dass wir uns damit zufrieden geben dürfen, bleibt uns das Immer-wieder-neu-Anfangen nicht erspart. Wer aufhört anzufangen, hört nicht nur auf zu streben, er hört auch auf menschenwürdig zu leben.

Walter Rupp, SJ