Glück

Glaubensserie

„Als ich jung war“, bemerkt Oscar Wilde, „glaubte ich, Geld sei das Wichtigste im Leben; jetzt, wo ich alt bin, weiß ich, dass es das Wichtigste ist“.

- Wie ist diese Äußerung zu verstehen? Als ironische Bemerkung oder als die Summe seiner Lebensweisheit? Diese Überzeugung, dass zum Glück ein klei¬nes Stückchen Land gehört, lässt sich kaum einer nehmen, auch wenn er noch so häufig Beispiele sieht, wie die, die mit Gütern gesegnet sind, nichts von Zufriedenheit ausstrahlen. Die Menschen hatten und haben noch immer Schwierigkeiten, sich Glück als etwas vorzustellen, was von materiellen Dingen unabhängig ist. Sie erwerben Geld und tun alles, um zu noch mehr Geld zu kommen. Auf ihrer Werteskala steht es obenan; über dem Wissen, der Bildung und Kultur. Und weil sie nicht zugleich zwei Herren dienen können, Gott und dem Geld, machen sie oft das Geld zu ihrem Gott. Mancher opfert, um zu Geld zu kommen, sogar seine Gesundheit, und dann alles Geld, das er erwerben konnte, um seine Gesundheit, die er wegen seiner Gier nach Geld ruinierte, wieder zu erlangen.
Kaum einer lässt sich den Glauben an die Wichtigkeit des Geldes nehmen und entdeckt oft erst am Ende seines Lebens, nachdem er ein Leben lang das weniger Wichtige dem Wichtigen vorgezogen hat, dass es höhere und erstre¬benswertere Werte gibt. - Er kann hier in unserer Welt vielleicht das eine oder andere Glücksgefühl erleben. Aber es bleibt ihm die Erfahrung nicht erspart, dass er das Glück, das ihn zutiefst befriedigt, hier nicht haben kann.



Walter Rupp, SJ