Dahinter stehen

Glaubensserie

16. JANUAR

Würde jemand durch die Straßen laufen und ständig den Satz vor sich hinsprechen: „Die Welt ist rund “, „Die Welt ist rund!“, alle Umstehenden würden den Kopf schütteln und ihn für nicht zurechnungsfähig halten, obwohl er die Wahrheit sagt. Dass die Welt rund ist, steht außer Zweifel. Aber das monotone Wiederholen eines Satzes, mag er auch richtig sein, veranlasst uns zu fragen: ob da jemand weiß, was er da redet.
Kinder sprechen zuweilen Wahrheiten aus, die sie gar nicht verstanden haben können. Und Irre sind zuweilen zu verblüffenden Erkenntnissen fähig. Sie äußern nicht selten die vernünftigsten Einsichten, aber so teilnahmslos und kühl, wie das nur einer tun kann, den diese Wahrheit nicht berührt. Einer, der nicht hinter seiner Aussage steht, gleicht einem Irren. Aussage und Person gehören zusammen, man darf sie nicht trennen. Wir erwarten von einem Professor – der, wie der Name sagt, ein Zeugnis ablegen soll – dass er sich zu seinen Aussagen bekennt. Das gilt für den Prediger, den Politiker und Redner: Sie sollen keine Wahrheiten aussprechen, die für andere gelten, aber nicht für sie.
So wie es die Angst des Tormanns vor dem Elfmeter gibt, gibt es die Angst des Redners vor der Aussage: die Angst, er könnte mit einem Wort verraten, was er wirklich denkt und fühlt. Die Angst, man könnte ihn beim Wort nehmen und an seiner Aussage messen. Jeder, der nicht zu seiner Überzeugung steht, verdient es nicht, dass man ihm zuhört.

Walter Rupp, SJ