Babeltürme

Glaubensserie

Der Turmbau von Babel erwies sich als Fehlprojekt und musste abgebrochen werden.

Dennoch ließ sich der Mensch zu keiner Zeit abhalten, am Babelturm weiter zu bauen, weil er sich von der Idee nicht lösen kann, etwas Gigantisches zu schaffen. Noch immer errichtet er imponierende, in den Himmel ragende Tempel, vor deren Größe sich jeder Dom und jede Kathedrale ducken muss; Babeltürme, die er – wie einst - Marduk, dem Gott des Geldes weiht.

Aus unseren Banken und Versicherungen, die einmal zweckdienliche Geld-Aufbewahrungsstätten, Lagerhäuser für Wertpapiere waren, wurden Heiligtümer, zu denen die Menschen ihre Habe bringen: alles, wofür sie gelebt und geschuftet haben, und worauf sie ihre ganze Hoffnung setzen, und mit einer religiösen Ehrfurcht wie zu Wallfahrtsorten pilgern. Viele sorgen sich mehr als um das Credo, um ihr Guthaben, den Kredit.

Ein Christ muss nicht den Diogenes im Fass zum Vorbild wählen, nicht die Wüstenväter der frühen Christenheit oder Franz von Assisi, der das Erbe seines Vaters ausschlug. Sein Glaube verlangt nicht, dass er ohne Geld auskommt oder es gar verachtet. Aber er verbietet ihm die göttliche Verehrung. Geld ist nichts weiter als ein Zahlungs-Mittel, mit dem man sich was kaufen und sein Leben angenehmer gestalten kann. Wer es als Sinngeber des Lebens, als höchste Instanz verehrt, ja dafür sogar seine Gesundheit opfert, verehrt aus Kupfer und Papier gemachte Götter neben Gott, und das ist Götzendienst.

Walter Rupp, SJ