Handys

Glaubensserie

Das Handy macht es möglich, dass man auf dem Waldspaziergang oder im ICE, beim Einkaufen oder Joggen, beim Reiten oder in der Badewanne erreichbar ist.

Aber warum legen wir Heutigen so großen Wert darauf, überall und jederzeit erreichbar zu sein? Welches Ereignis ist so wichtig, dass man es sofort wissen muss? Welche Frage ist so dringend, dass sie noch in dieser Stunde beantwortet werden muss? Und welche Entscheidung ist von solcher Bedeutung, dass sie nur von mir getroffen werden kann?
Ist uns klar, dass es kein Vorteil ist, wenn jeder jederzeit Zugang zu mir hat? Das heißt doch: dass alle Türen Tag und Nacht offen stehen, auch für den ungebetenen Gast. Man macht sich schutzlos, wenn es das Vorzimmer, die Anmeldung, den Referenten, der aussortiert, nicht mehr gibt und wenn man gezwungen wird, sich mit dem auseinanderzusetzen, was ein anderer gerade will. Schon die Kinder haben sich daran gewöhnt, das, was sie bewegt, sofort mitzuteilen, weil man nichts mehr für sich behalten und eine Weile mit sich herumtragen kann. Wenn man alles ungefiltert weiter gibt und nicht erst einmal durchdenkt oder durchleidet, ehe man sich äußert, dann ist es nicht verwunderlich, dass man sich bei den Zusammenkünften nichts mehr zu sagen hat, weil ja alles schon gesagt wurde.
Das zügellose, ungehemmte Mitteilungsbedürfnis verführt dazu, über das zu reden, worüber man sich im Augenblick erregt, was aber schon nach einer Stunde ganz anders aussieht. Ja, dass man Entscheidungen trifft, die man am nächsten Tag bereut. Alle, die sich so wichtig nehmen, sollten nicht vergessen: dass man Jahrtausende ohne sie auskam und eine Zeit kommen wird, wo die Menschheit ohne sie auskommen muss und die Nachwelt das problemlos schafft.


Walter Rupp, SJ