Kettenreaktion

Glaubensserie

Schon gleich am Morgen, kurz nach dem Erwachen, fädelt jeder den Verlauf des Tages ein.

Mit dem ersten Wort, das einer äußert, gibt er den Grundton an für eine miese oder heitere Stimmung; mit seiner ersten Geste macht er deutlich, wie er sich heute verhalten will; und mit der ersten Handlung, dem polternden oder gelassenen Heranziehen des Stuhles an den Kaffeetisch, signalisiert er seiner Umgebung, was heute von ihm zu erwarten ist.
Es ist nicht gleichgültig, wie einer seinen Tag beginnt. Fängt er mit einer schlechten Laune an, wird er diese schlechte Laune, auch wenn er das nicht möchte, an andere weiter geben: an die Familienangehörigen; an die, die ihm beim Verlassen des Hauses oder im Bus begegnen, und an die Mitarbeiter im Betrieb. Der schlecht gelaunte Lehrer wird seine Kollegen und die Kinder seiner Klasse – schon durch seinen muffigen Gesichtsausdruck - in eine schlechte Laune bringen. Die 24 Kinder seiner Klasse werden nach Schulschluss die schlechte Stimmung mit nach Hause nehmen und 24 Väter, Mütter und Geschwister infizieren. Jeder von ihnen wird die Missstimmung multiplizieren, sodass bis zum Abend Häuserblocks und Stadtbezirke in schlechter Laune sind.
Wie der Stein, den man ins Wasser wirft, eine Welle nach der anderen verursacht, lösen wir mit jeder Handlung Kettenreaktionen aus. Alle negativen oder positiven Taten wirken nicht nur weiter, sie vermehren sich. Wer den Tag schlecht gelaunt beginnt, trübt den Tag ein. Wer ihn froh gestimmt beginnt, stellt die Weichen, dass die Umwelt seinen Frohsinn übernimmt.

Walter Rupp, SJ