Aggressionen

Glaubensserie

Der Steinzeitmensch konnte sich, sooft er dazu Lust verspürte, Wutanfälle leisten. Um ihn herum war Platz, er störte niemanden.

Wären wir bloß so ausgeglichen, wie wir uns gern geben! In Wahrheit tragen wir Aggressionen, ja sogar einen Hang zur Grausamkeit mit uns herum. Wir Zivilisierte sind nur mühsam domestizierte "Wilde" und haben Mühe, dass unsere Gefühle nicht unkontrolliert ausbrechen. 

Der Steinzeitmensch konnte sich, sooft er dazu Lust verspürte, Wutanfälle leisten. Um ihn herum war Platz, er störte niemanden. Wir "Spät-Neandertaler" aber müssen uns in unseren Großraumbüros zusammennehmen, um daneben sitzende Mitarbeiter nicht zu stören und in unseren hellhörigen Neubauwohnungen der Nachbarn wegen sogar das Klavierspiel oder Husten unterdrücken. 

Wie kann der zivilisierte Mensch, der sich stets diszipliniert verhalten muss und sich nie gehen lassen darf, seine Unlustgefühle abschütteln und verhindern, dass sich sein Gefühlsstau wie ein Vulkanausbruch entlädt? Wir müssen uns in Entspannungsübungen entkrampfen, beim Sport Dampf ablassen und in Gesprächen das seelische Gleichgewicht zurückgewinnen. Das Engagement für eine gute Sache dürfte jedoch das wirksamste Mittel sein, weil dadurch Aggressionen nicht in einem Wutanfall sinnlos verpuffen, sondern in nützliche Energie verwandelt werden.


P. Walter Rupp, SJ