Optimismus

Glaubensserie

Optimisten glauben, dass wir in der besten aller Welten leben

Optimisten glauben, dass wir in der besten aller Welten leben, und Pessimisten fürchten, dass das vielleicht stimmt. Damit der Pessimist seinen Pessimismus aufrecht erhalten kann, muss er sich - wie es Schopenhauer getan hat - unablässig suggerieren, dass die Welt schlecht und misslungen ist, und nach den Pannen Ausschau halten, mit denen er die Schlechtigkeit der Welt beweisen kann. Trübe Stimmungen brauchen Nahrung. Man muss sie täglich mit schlimmen Nachrichten und Katastrophenmeldungen füttern. Dass wir in der besten aller Welten leben, kann nur ein Naivling glauben oder einer, der sich täglich zwingt, das Böse, das Tag für Tag geschieht, nicht zu sehen. Die beste Welt - das glaubt der Gläubige - haben wir vor uns und ist ein Geschenk Gottes. Wir können sie nicht machen.

Die Menschen haben von der Welt, in der wir leben, sehr verschiedene Bilder. Wahrscheinlich gibt so viele Welten, wie es Augen gibt. Denn jeder sieht sie, wie er sie sehen oder nicht sehen will. Die Welt ist oft nur das Spiegelbild der eigenen trüben oder heiteren Gemütsverfassung. Für die einen ist sie, trotz ihrer Mängel immer noch ein Paradies und für andere der "Sündenfall Gottes". Wir leben weder in einer nur miesen noch in einer heilen Welt. Wenn die einen sagen, ein Jahr habe 365 Tage, und die anderen, es bestehe aus 365 Nächten, so haben beide Recht und Unrecht. Es kommt darauf an, ob man sie bei Tag oder bei Nacht betrachtet.


P. Walter Rupp, SJ