32. Sonntag im Jahreskreis (C)

Predigtimpuls

Im Jenseits ist alles ganz anders

1. Lesung: 2Makk 7,1-2.73.9-14
Zwischengesang: www.antwortpsalm.de
2. Lesung: 2Thess 2,16-3,5
Evangelium: Lk 20,27-38

Kinderfragen: Kriegt ein Hund im Himmel Flügel? Gibt es überhaupt Hunde im Himmel? Wo bleibt unser Hamster, den wir feierlich im Blumenbeet bestattet haben? Gibt es nie mehr ein Wiedersehen mit dem Kanarienvogel? Gibt es im Himmel beim lieben Gott auch Gummibärchen? Kinderfragen!

Erwachsenenfragen: Wenn sieben Männer nacheinander die gleiche Frau zur Frau hatten und alle sieben gestorben sind, und die Frau dann stirbt, wer von den sieben wird sie bei der Auferstehung von den Toten zur Frau haben? Eine Spottfrage der Sadduzäer.
Sie lehnen den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod ab. Sie wollen Jesu Botschaft ins Lächerliche ziehen.

Doch in ihrer Frage verstecken sich ernste Fragen. Es geht um Menschen und ihre Beziehungen, hier und im Leben nach dem Sterben: Werden wir dort die Menschen wiedersehen, die wir geliebt haben und die wir lieben? Erkennen wir uns wieder? Stirbt mit dem Sterben auch die Liebe für immer? Werden wir uns dort wiederlieben und weiterlieben? Oder gibt es Lieben und Geliebtwerden im Himmel nicht mehr? Erwachsenenfragen!

Die Auferstandenen heiraten nicht mehr, heißt es im Evangelium. Das bedeutet nicht, dass nach dem Tod alle Beziehungen, die uns je wichtig waren, aufhören. Mit seinem Einwand will Jesus der allzu menschlichen Vorstellung vom Jenseits, wie sie die Sadduzäer hatten, widersprechen. Das ‘Dort’ ist nicht einfach so wie ‘Hier’. Das ‘Dort’ ist weder eine Kopie noch eine Fortsetzung hiesiger Verhältnisse. Es ist glattweg falsch, bei Aussagen über das Leben bei Gott die menschliche Wirklichkeit als einzig gültigen Maßstab zu nehmen. Darum kehrt Jesus diesen Maßstab um. Wer nach dem Leben danach fragt, muss von Gott selbst her denken. Gott ist kein Gott der Toten, sondern der Lebenden, weil alle für ihn lebendig sind.

Jesus liefert keine Information über das, was im Jenseits vor sich geht. Er verweist auf das Geschenk der bleibenden Lebensgemeinschaft mit Gott. Dieses Geschenk ist tragender Grund menschlichen Lebens: Darauf kann man sein Leben bauen. Auch ist es das entscheidende Ziel menschlichen Lebens: Darauf kann man hinleben.

Jesus bietet kein Wissen, sondern eine Gewissheit: Im Leben und über das Sterben hinaus steht Gott treu zum Menschen. Er schenkt denen, die sterben, neues Leben. Ein „Leben in Fülle“, das die Begrenztheiten aufsprengt, die unser Leben hier unten so schwer machen. Das, was wir hier an Liebe, Glück und Freude leben, sind immer Bruchstücke von Liebe, Glück und Freude. Sie sind wichtig, aber nicht das Letzte.

Diese Bruchstücke halten unsere Sehnsucht wach. So können wir der Macht Gottes für das Leben nach dem Tod mehr zutrauen, als unsere Phantasie sich vorstellen und unser Verstand denken kann. Wo Gott Leben schenkt, geht nichts verloren von all dem, was zu uns gehört. Was wir gelebt, geliebt und gelitten haben, bleibt aufgehoben in seinen liebenden Händen. Jede Träne, die wir geweint, jeder Traum, den wir geträumt, jeder Gedanke, den wir gedacht haben – am Herz Gottes ist er geborgen und wird verwandelt in neues, unvergängliches Leben.
Und wenn die Liebe eines Menschen zu uns gehört und unserem Leben einen Stempel eingeprägt hat, unverwechselbar und für immer kenntlich, dann wird diese Liebe auch fortdauern über den Tod hinaus: Gott selbst wird sie retten und auferwecken mit uns.

Ob ein Hund im Himmel Flügel hat, weiß ich nicht. Dass aber die Liebe nicht untergeht und dass durch Gottes Kraft alle Beziehung und Liebe weiterlebt, wenn Gott seinen Geschöpfen neues Leben schenkt, das hoffe und erwarte ich. Weniger nicht!

 

P. Dr. Bernd Werle SVD
 
 
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